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Dr. A. Backhaus:
Vortrag am 15.Dezember 1995
im Orthodoxen Bildungszentrum Berlin
Verstand und
Gebet
Bevor wir das Problem des Denkens, Glaubens und Betens betrachten,
möchte ich zunächst zwei Geschichten erzählen, beide sollen wahr sein:
Die erste Geschichte von einem kleinen Jungen, der in den Alpen
aufwuchs und für unsere Begriffe wohl ein Debiler, wenn nicht ein
Idiot war. Also jemand der nicht klar denken konnte. Der Pfarrer des
Ortes versuchte ihm den Glauben beizubringen, und da er das nicht so
richtig verstand, zeigte er ihm das an der Hand und sagte: ICH bin der
HERR Dein GOTT.
Das mußte der kleine Junge lernen. Und er saß dann auch häufig da, wenn er nachdachte oder spielte, und dann nahm er seine Hand: ICH bin der HERR Dein GOTT. Eines Tages stürzte dieser Junge ab, und wurde tot gefunden zwischen den Felsen und hatte den Finger mit der anderen Hand erfaßt, der für GOTT steht, so daß er offensichtlich, wenn man an Zeichen etwas erkennen kann, das Wesentliche des Glaubens begriffen hatte.
"ICH bin der
HERR Dein GOTT."
Im Augenblick seines Todes, wo ja wohl die geistige Beschränkung
aufhört, hat er diesen Finger ergriffen. Das zeigt offenbar, daß das,
was wir denken nennen, das heißt logisches, diskursives, abstraktes
Denken, für den Glauben völlig "unnötig" ist.
Ein Freund aus Japan erzählte mir, wie ein Franziskaner, der dort die
Japaner zu missionieren versuchte, als junger Mönch nach Japan kam und
dort, schlecht japanisch sprechend, aus seinem Katechismus den
interessierten und neugierigen Japanern den katholischen Glauben
vorlas. Die waren so begeistert, daß sie alle katholische Christen
wurden. Viele, viele Jahre später, als er nun wirklich japanisch
konnte, begann er mit denselben Menschen vom Glauben zu sprechen. Und
die fielen von einem Erstaunen ins Andere, und sagten: so herrlich ist
der Glaube. Was ist das für eine Sache, was ist das für eine
großartige Sache! Und da sagte der Mönch: ich habe Euch das doch alles
schon vorgelesen. Ja, sagten die höflichen Japaner, wir haben kein
Wort verstanden, was Du da gesprochen hast, war für uns
unverständlich. Aber Dein begeistertes Gesicht, das hat uns überzeugt.
Aber als sie dann verstanden, was mit dem Glauben ist, da waren sie
davon ganz begeistert.
Der Glaube wird schöner, genauer, herrlicher, wenn man ihn eben auch
mit dem Verstande ergreift.
Ich will jetzt an zwei Punkten eigentlich diese Verbindung von
unmittelbarer Begegnung, Beten und Denken mit Ihnen besprechen.
Einmal angesichts der Eucharistie, angesichts des Empfanges des
Heiligen Abendmahls, was ja grundsätzlich und von Anfang an über unser
Verstehen hinausgeht. Und was doch, wie ja gerade die Geschichte der
Kirche zeigt, immer wieder zu sehr subtilen und sehr präzisen
Denkansätzen und Denkversuchen geführt hat, sogar dazu geführt hat,
daß Calvin auf der einen Seite, Luther auf der anderen Seite, und die
katholische Kirche mit der Realpräsenz, sich um der rationalen im
Denken ergriffenen Wirklichkeit des Heiligen Abendmahls so zerstritten
haben, daß daraus verschiedene Kirchen wurden.
Und das zweite Thema ist der Tod. Mit dem geht es uns ja auch so. Wir
wissen alle, daß wir sterben müssen, und ab und zu beschäftigen wir
uns auch damit, manche bereiten auch schon ihre Beerdigungszeremonie
vor und haben schon einen Stein machen lassen oder haben schon
irgendwo ein Stück Erde dafür gekauft, andere Völker tun das, viel
intensiver als wir, und trotzdem ist der Tod etwas, was mit unserem
Verstand und mit unserem Denken nicht ganz zu durchdringen ist. Und
auch hier meine ich, daß die Einheit von Gebet und Denken von Glauben
und Nachsinnen uns eine ganz neue Welt und Wirklichkeit eröffnet.
Beide Gebetsformen, die Vorbereitung auf das Heilige Abendmahl, und
das Gedenken oder das gemeinsame Gebet mit den Entschlafenen ist für
den orthodoxen Christen eines der häufigsten Gebete.
Ich habe mal versucht, auszurechnen - ich bin 1950 zum Priester
geweiht worden - und selbst wenn ich nur zweiundfünfzig Mal im Jahr
die göttliche Liturgie gefeiert habe, jedesmal die Gebete gelesen
habe, kann man sich ausrechnen, daß das ziemlich häufig ist, etwa
zweitausenddreihundertundvierzig mal.
Und immer wieder, wenn ich die Gebete neu lese, bin ich erstaunt, was
alles darin steht, daß ich offenbar in diesen fast fünfzig Jahren, in
diesen vielen Tausend mal, wo ich die Gebete gelesen habe, die Gebete
doch noch nicht ganz begriffen und ergriffen habe.
Als ich zum Priester geweiht wurde, am Karfreitag, gleichzeitig Mariä
Verkündigung, das fiel damals zusammen, kam nach dem Gottesdienst der
alte Vater Stephan Lyaschewski zu mir und sagte: Komm, gehe noch nicht
weg, wir müssen jetzt eine Panichida halten, so nennen die
Orthodoxen das Gebet mit und für die Entschlafenen.
Panichida - vom griechischen Wort: die ganze Nacht, bezeichnet bei den
Russen einen Gebetsgottesdienst in Erinnerung der und zur Gemeinschaft
mit den Entschlafenen. Der Gottesdienst entspricht der Form der
Beerdigung, ist aber verkürzt. (Lesungen aus der Heiligen Schrift,
manche Gesänge werden ausgelassen.) Die Form des
Beerdigungsgottesdienstes entspricht der Struktur des
Morgengottesdienstes, des Orthros.
In der Karwoche feiert die Kirche am Karfreitag mit einem solchen
Orthros die Grablegung Christi. So ist die Grablegung des Christen
vorgebildet in der Grablegung Christi, wie es sich auch in der Form
des Ritus ausdrückt.
Das Totengedenken, die Panichida, wird am Todestag, am 3., am 9., am
40.Tag, auch am Namenstag oder Geburtstag des Verstorbenen gefeiert.
Die Sonnabende der Fastenzeit sind Tage, an denen in besonderer Weise
der Entschlafenen gedacht wird.
Und Vater Stephan sagte: Dies ist das aller Wichtigste, das wirst Du
in Deinem Leben am aller-häufigsten beten und singen müssen. Und er
hatte völlig recht. Ich kann die wenigen Gottesdienste in Lübeck oder
Hamburg oder Schleswig oder Berlin zählen, bei denen nicht nach dem
Gottesdienst noch jemand kommt, und um ein solches Gebet bittet.
Offenbar sind diese beiden Gebetsformen den orthodoxen Christen
außerordentlich vertraut.
In den Gebeten vor der Kommunion
[1]
heißt es in einem Lied: "Nun heilige in mir, Erlöser, den Geist, die
Seele, das Herz und auch den Leib, und mache mich würdig, mein
Gebieter, Deinen furchtbaren Geheimnissen unverurteilt zu nahen."
(6.Ode, 1.Vers, Seite 158)
Diese Gebete bestehen einmal aus einem sogenannten Canon, der mit
einem einleitenden Lied, einer Ode, beginnt der in der Regel vier
Verse folgen. Zwischendurch werden Verse aus dem fünfzigsten
(einundfünfzigsten) Psalm (50/1,12+13) gebetet. darauf folgen 12
Gebete und kurze Verse.
Aber wenn man nun anfängt, darüber nachzudenken, oder wenn man die
Gebete immer wieder betet und liest, dann wird einem erst offenbar,
das dieser ganz einfache Text eigentlich alles enthält:
Nun heilige in mir Erlöser,
den Geist und die Seele,
das Herz und auch den Leib.
Die Ganzheit des Menschen, der Leib und Seele, Geist und Verstand,
viele Dinge in sich trägt, wird hier in diesem Gebet in einer sehr
einfachen, aber auch sehr eindrucksvollen Weise ausgesagt. Das ist für
meine persönliche Erfahrung sehr viel besser und eindrucksvoller, als
viele philosophische und theologische Diskussionen, über die
Drei-geteilt-heit des Menschen, Geist, Seele und Leib; die
zwei-geteilt-heit des Menschen, oder wie man das auch immer im
Einzelnen beschreiben wird. (Siehe: Dichtomismus, Trichotomismus z.B.
kleines theologisches Wörterbuch, Herder, 108/9)
Wenn ich mich betend, aber auch nachdenkend, den unbegreiflichen und
doch zu ergreifenden Geheimnissen GOTTES nahe, dann wird mir erst
deutlich, was sich im Mysterium, im Sakrament ereignet und geschieht.
Und dann wird gleichzeitig diese Einsicht, diese Begegnung aus meinem
eigenen Sein, aus Geist, Seele, Herz, Leib zu dem Ausgangspunkt meiner
Hinwendung zu Gott: "Mache mich würdig, mein Gebieter, Deinen
furchtbaren Geheimnissen unverurteilt zu nahen." (6.Ode, 1.Vers,S.158)
Wenn ich so an Predigten und Gespräche denke, dann ist gerade dieses
Wort von den "furchtbaren" Geheimnissen ein Anlaß zu Fragen und
Zweifel.
Nicht erst der moderne Mensch, aber auch der moderne Mensch meint, daß
er nicht in Furcht und Zittern vor Gott stehe, er sei erwachsen. Als
erwachsener Mensch ist das ein etwas kindliches, unwürdiges Gefühl:
Furcht und Zittern. Wollen wir davon noch reden?
Aber das Erstaunliche ist, daß, wenn wir uns einer wesentlichen
Entscheidung unseres Leben gegenüberstehen, daß, wenn wir ein
Bewerbungsgespräch geführt haben und darauf warten, ob wir vielleicht
die Stelle bekommen, daß wir eben dann, Furcht und Zittern sehr
deutlich verspüren.
Ist die Begegnung mit GOTT offensichtlich nicht weit wichtiger, als
die Frage, ob wir die Stellung, um die wir uns beworben haben,
bekommen werden? Darum dürfen wir natürlich in der Begegnung mit GOTT,
wie die Gebete sehr deutlich sagen, erschauern vor dem furchtbaren
Geheimnis, daß GOTT uns entgegen kommt.
Die vierte Ode: (S.156):
Du kamst aus der Jungfrau
Nicht ein Vermittler[2]
Auch nicht ein Engel
Sondern, Du selbst, o HERR
hast Dich verkörpert
und erlöst den ganzen Menschen, mich
Darum rufe ich zu Dir
Ehre sei HERR DEINER MACHT
Sie wissen wahrscheinlich, daß die Slawenapostel Methodius und Kyrill,
aber auch ihre Nachfolger, die griechischen Texte in einer solchen
Präzision oder in einer solchen einfachen Weise übersetzt haben, daß
man aus dem ursprünglichen slawischen Text ohne Schwierigkeiten auf
den griechischen rückschließen kann, aber gerade deshalb ist es
manchmal außerordentlich schwierig zu erkennen, was für ein deutsches
Wort dem ursprünglich entspricht. Du kamst aus der Jungfrau, nicht ein
Vermittler. Offenbar jemand, der für einen anderen vermittelt.
Und selbst wenn in den nicht-christlichen Religionen Gott Mensch wird,
ob das nun Zeus oder Jupiter ist, so nur vorübergehend. Heidnische
Götter legen nur mal das Gewand eines Menschen an, um es später wieder
abzulegen, und in den göttlichen Raum, den "Olymp", wieder zurück zu
kehren.
Und in diesem Vers ist alles enthalten, was die Einmaligkeit des
Christentums ausmacht. Wir haben nicht sehr viel vorzuweisen als
Christen, als besonders wichtige und wertvolle Eigentümlichkeit
unseres Christlichen Lebens, wir sind nicht klüger, wir sind nicht
besser, wir vertragen uns nicht besser als andere, aber das GOTT DER
HERR nicht als ein Vermittler, nicht als ein Engel, sondern selbst zu
uns gekommen und Mensch geworden ist und bleibt, ist völlig unabhängig
von der Frage, ob wir das glauben, oder für richtig halten, eine
einmalige, im Denken der Menschen niemals wiederholte Verkündigung,
die uns nur von Christus gesagt ist.
Sondern Du selbst o HERR hast DICH verkörpert
und erlöst den ganzen Menschen, mich.
Hier taucht wieder der ganze Mensch auf, (wßego mja tscheloweka),
Christus erlöst den ganzen Menschen, eben nicht nur meine Seele, nicht
nur meinen Leib, nicht nur mein Denken, nicht nur mein Ich, oder wie
man das immer bezeichnen mag, sondern die ganze Fülle meines Daseins.
Darum rufe ich zu Dir, o HERR:
Ehre sei Dir
Jetzt ein Text aus dem Theotokion, das Maria, die Mutter des Herrn als
Gottesgebärerin bekennt, als Theotokos: (THEO=GOTT, tokos-die
Erzeugung, das Gebären, die Geburt) Bekenntnis des gemeinsamen Konzils
der ganzen Kirche zu Ephesus 431. Jedes Lied: Ode und vier Verse
schließt mit einem Vers auf die Gottesgebärerin, der das Geheimnis
immer neu beschreibt, daß Gott aus Maria wahrer Mensch geworden ist,
DER von Ewigkeit zu Ewigkeit wahrer Gott ist. So gedenkt die Kirche in
diesem Vers der Mutter unseres HERRN JESUS CHRISTUS, der Jungfrau
Maria, weil, und ich meine, das ist auch präzise logisches Denken, nur
in der Betrachtung und dem Nachsinnen über das unbegreifliche
Geheimnis, daß Gott aus einer Frau Mensch geworden ist, die
Wirklichkeit der Menschwerdung überhaupt erahnbar wird:
Maria, Mutter Gottes
ehrbares Gefäß duftenden Wohlgeruches
laß mich doch durch Deine Gebete
zum Gefäß der Auserwählung werden
und an den Weihen Deines Sohnes teilhaben.
(5.Lied, Theotokion, S.157)
Es ist interessant, daß die alten Sprachen hier einen feinen
Unterschied machen, der im Deutschen vielleicht gar nicht so
wiederzugeben ist: ehrbares Gefäß - Selénii - auf slawisch, das heißt
eigentlich: "Wohnsitz" duftenden Wohlgeruches. Raum, der GOTT
umschlossen hat.
Laß mich durch Deine Gebete zum Gefäß: - soßud - eben praktisch
wirklich einfach zum "Gefäß", zum Raum Deiner Auswerwählung, zum Raum
in den Du eintrittst, werden.
Und zugleich zeigt dieser Text wiederum etwas von der Theologie der
Gottesgebärerin und Mutter des HERRN JESUS CHRISTUS: daß sie immer die
ist, die uns zwar voran geht, der wir nachfolgen, auch wir werden, im
Empfang des Heiligen Abendmahls zum Raum, zum Gefäß, in dem Gott
gegenwärtig ist.
Die orthodoxe Kirche zeichnet sich meiner Meinung nach dadurch aus,
daß sie am häufigsten und am meisten um die Erleuchtung des Verstandes
betet.
Die orthodoxe Kirche ist erfüllt von einer Weite, die alle Dimensionen
menschlicher Existenz umfaßt: Erlöse mich, den ganzen Menschen. Und
als, ich meine, Athanasius von Alexandrien gefragt wurde, wie sich der
Glaube vom Wissen unterscheidet, hat er geantwortet: Im Wissen
ergreifen wir die Welt durch Denken und Beobachten um sie uns
handhabbar zu machen. Im Glauben ergreifen wir die Wirklichkeit
GOTTES, die Welt als Schöpfung GOTTES, durch Denken, Sehen, Hören,
Riechen, Fühlen, Handeln, Mit-Handeln, durch die ganze Weite unserer
Existenz. Und darum ist es sehr verständlich, daß es zum Gebet, zur
Bitte an GOTT gehört, daß er unseren Verstand erleuchtet. "Erleuchte
meinen Verstand und mein Herz," betet jeder orthodoxe Christ beim
Morgengebet.
Vom Schlaf und Lager hast DU mich aufgerichtet
HERR, erleuchte meinen Verstand und mein Herz
und öffne meine Lippen, damit ich DICH preise
Heilige Dreifaltigkeit
Heilig, Heilig, Heilig, bis DU, o GOTT
erbarme Dich unser um der Gottesgebärerin
(Aus Morgentroparion zur Heiligen Dreifaltigkeit Seite 8/9)
Und in dem zweiten Gebet, zur Vorbereitung auf das Heilige Abendmahl,
beten wir um die Erleuchtung und Heiligung des Verstandes:
Ihr Gläubigen
lasset uns für die Katechumenen[3]
beten, daß der Herr sich ihrer erbarme
Daß ER sie lehre das Wort der Wahrheit
Daß ER ihnen offenbare
das Evangelium der Gerechtigkeit
(Göttliche Liturgie, Gebet für die Katechumenen, S.72)
und um die Erneuerung des Herzens. Auch im Gebet für die Katechumenen,
für die Ungetauften, bittet die Kirche immer wieder darum, daß das
Wort der Wahrheit sie lehre, daß ihnen offenbar werde das Evangelium
der Gerechtigkeit.
Nach dem Empfang des Heiligen Abendmahls beten wir mit dem Heiligen
Simeon Metaphrastos im dritten Gebet, daß durch den Empfang des
heiligen Abendmahls die Fünfzahl (pjateriza) meiner Sinne erleuchtet
werde möge. (S.189)
Ich erinnere mich an eine Schwierigkeit, die ich als junger orthodoxer
Priester hatte: Es wird da gebetet für die Unwissenheit des Volkes.
In der orthodoxen Liturgie betet der Priester während der Ektenie, der
Litanei für die Unwissenheit des Volkes:
"nimm an das Gebet von uns Sündern
und lasse es gelangen
zu Deinem Heiligen Altar
und befähige uns
Dir Gaben und geistliche Opfer
darzubringen für unsere Sünden
und für die Unwissenheit des Volkes
(Gebet zur Ektenie nach dem Cherubimlied.)
Mir gefiel das eigentlich nicht so recht, und ich kam mir eingebildet
und hochmütig vor, daß ich nun als junger Priester, da am Altar
stehend, für die Unwissenheit des Volkes betete.
Und mir ist klar geworden, wie sinnvoll und heilsam diese Bitte ist:
an einer ganz anderen Fragestellung: möchte ich nicht, daß man
für meine Unwissenheit betet? Und nachdem ich diesen Gedanken
so formuliert oder so begriffen hatte, habe ich erst begriffen,
natürlich möchte ich, daß man für meine Unwissenheit betet, nicht nur
vor einer Prüfung, die ich bestehen möchte, sondern jeden Tag.
Zur Erkenntnis des Evangeliums gehört das Gebet, in allen Kirchen, in
den lutherischen Ausgaben der Bibel stehen am Anfang in der Regel
Sätze von Luther oder von dem Herausgeber, die sagen, im Gebet muß man
dieses Wort Gottes lesen.
"Da muß nun das Gebet das erste sein, und ein Einfältiger auf diese
oder dergleichen Art und Weise, ehe er die Bibel lieset, Gott anreden,
nicht mit dem Mund allein: SONDERN MIT RECHT ANDÄCHTIGEM HERZEN:
"O DU ewiger und lebendiger Gott, wie
können wir DIR genugsam danken, daß DU uns Deinen heiligen Willen in
Deinem Wort so gnädiglich offenbart hast, daß wir daraus lernen
können, wie wir gläubig, fromm und selig werden sollen. So gib mir nun
Deinen heiligen Geist, daß ER mir die Augen öffne, zu sehen die Wunder
an Deinem Gesetz, daß ER durch Dein Wort den Glauben in meinem Herzen
mehre, und meinen Willen kräftiglich lenke, daß ich mich freue über
Deine Zeugnisse und von Herzen an Dich glaube und Wort halte."
(August Herrmann
Franckes kurzer Unterricht, wie man die Heilige Schrift zu seiner
wahren Erbauung lesen solle; Die Bibel oder die ganze Heilige Schrift,
Dresden, Sächsische Haupt-Bibel-Gesellschaft, Anhang, Seite 69)
(IN der Einheitsübersetzung, 1980, ISBN 3-460-31941-0 fehlt ein Wort
vom Gebet beim Lesen der Heiligen Schrift)
In der Göttlichen Liturgie betet die orthodoxe Kirche vor der Lesung
des Evangeliums:
Laß leuchten in unserem Herzen,
menschenliebender Gebieter, das lautere Licht Deiner Gotteserkenntnis
und öffne die Augen unseres Verstandes dem Verständnis der
Verkündigung Deines Evangeliums.
Lege in uns die Furcht Deinen seligen
Gebote, damit wir, nachdem wir die Begierden des Fleisches überwunden
haben, zu einem geistlichen Wandel gelangen und alles nach Deinem
Wohlgefallen sinnen und tun. denn Du bist die Erleuchtung unserer
Seelen und Leiber, o Christe, Gott, und Dir bringen wir Ehre dar bei
Deinem anfangslosen Vater, dem allheiligen und guten und lebendig
machenden Geiste, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der
Ewigkeiten. Amen.
(Gebet vor der Lesung des heiligen Evangeliums: Göttliche Liturgie des
Hl.Johannes Chrysosomos/d.Hl.Basiliusd. Großen)
In der Vorbereitung auf das Hören des Worts Gottes ist das Gebet und
die Reinigung des Herzens die Grundlage aus dem Evangelium die Stimme
des Herrn zu hören, DER zu uns spricht. Zugleich, im gleichen Atemzug
ist unser Verstand aufgerufen, des Wortes Weite, Tiefe, Sinn und
Zusammenhänge zu begreifen. Vielleicht ärgert sich der Verstand über
die Worte: "nachdem wir die Begierden des Fleisches überwunden haben",
aber gerade unsere moderne Einsicht in die vielfältigen Zusammenhänge
des Erkennens bestätigen, daß die Atmosphäre in der der Verstand nach
Wahrheit und Erkenntnis sucht, für das Ergebnis wesentlich ist.
In den Seligpreisungen heißt es ja:
"Selig sind die reinen Herzens sind,
sie werden GOTT schauen."[4]
Wenn ich das ernsthaft betrachte, spüre oder erkenne ich, weiß ich und
sehe, daß die Schwierigkeiten GOTT zu erkennen und an GOTT zu glauben
oder GOTT zu lieben, nicht darin liegen, daß wir nicht intelligent
genug sind, sondern, daß die Verdüsterung unseres Herzens, die
Unordnung in unserem Herzen uns daran hindert, GOTT zu erkennen.
Deshalb müssen wir "die Begierden überwinden". Wir müssen in unserer
eigenen Welt, in unserem eigenen Leben eine richtige, zuverlässige,
auf GOTT gerichtete Hierarchie der Werte herstellen[5].
Aber es gibt viele solcher seltsamen Worte. In den Gebeten vor dem
Abendmahl zitiert der Beter den heiligen Apostel Paulus, 1.Thimoteus
1,15:
Ich glaube und bekenne, daß dies ist wahrhaftig
CHRISTUS der SOHN GOTTES,
der in die Welt gekommen ist,
die Sünder zu erretten,
deren ich der Erste bin.
Auch ein sehr seltsamer und auch etwas anstößiger Satz. Natürlich bin
ich ein großer Sünder. Das sage ich ja immer wieder, ich weiß es
eigentlich nicht, ich glaube es auch nicht richtig. Aber es wird immer
wieder gesagt, daß ich ein großer Sünder sei, aber daß ich nun gleich
der Erste sein sollte?
Ich glaube der heilige Apostel Paulus meint: der Erste bei GOTT. Nicht
der erste Sünder in der Hierarchie der Sünder, sondern: protos eimi
ego - primus ego sum, das ist griechisch bzw. lateinisch, und sehr
schön: der erste bei Gott. Das ist das Geheimnis des Heiligen
Abendmahls: die heilige Kirche ist nichts anders als die Gemeinschaft
der Menschen, die GOTT, den Unsichtbaren, der Mensch geworden ist, in
sichtbarer Gestalt in seinem Wort, in der Verkündung des Evangeliums,
im Heiligen Abendmahl in Seinem Leib und Blut herbeiträgt, so daß
jeder der Erste ist. Wenn ich auf den Kelch zugehe und den Leib und
das Blut des HERRN JESUS CHRISTUS empfange, bin ich der Erste.
Zwischen mir und dem Kelch ist nichts und niemand mehr. Und
eben gerade dieses Erstaunen und dieses vielleicht umständliche
Überlegen, was eigentlich der Heilige Apostel Paulus hier meint,
führt, mich jedenfalls, aber auch die Väter, die darüber genau so
berichten, zu der Erkenntnis, daß er hier etwas ganz Wesentliches
sagt. Das Großartige der Menschwerdung Gottes ist, daß ich der Erste
bei Ihm bin, daß niemand mehr dazwischen ist, sondern, daß, wenn ich
auf ihn zugehe, meine Hände oder meine Lippen unmittelbar nur IHN
berühren und nichts mehr zwischen Gott und mir ist, bis in die
leibliche Wirklichkeit.
In den Gebeten vor dem Abendmahl kommt immer wieder das hochzeitliche
Gewand vor. Ich weiß nicht, ob Sie sich auch über das Gleichnis mit
dem hochzeitlichen Gewand /[6]
geärgert haben. Das ist wieder so ein Gleichnis des HERRN JESUS
CHRISTUS, mit dem ich nicht so leicht einverstanden bin. Da sind die
Leute von den Straßen und Hecken herbeigeholt, weil die richtigen
Gäste nicht gekommen sind. Die sitzen jetzt alle am großen Tisch beim
Hochzeitsmahle des Königs, und der König geht dadurch und plötzlich
sieht er einen, der hat kein hochzeitliches Gewand an "und sprach zu
ihm: Freund, wie bist Du hier hereingekommen und hast kein
hochzeitliches Gewand an?" ER aber verstummte. Da sprach der König zu
seinen Dienern: "Bindet ihm Hände und Füße und werft ihn in die
Finsternis hinaus. Da wird sein Heulen und Zähneklappen."
(Matth.22,12-13) Was kann der arme Kerl dafür? Wenn er von den Hecken
und Straßen hereingeholt wird, er konnte ja gar nicht mehr nach Hause.
Hier ist nun allerdings einfach die historische Wirklichkeit die
zutreffende Antwort. In den Hochzeitsfeiern, das kennen wir auch aus
dem Alten Testament, natürlich, Israels, aber überhaupt des ganzen
Orients, bekam jeder Gast ein hochzeitliches Gewand an der Tür. Es war
das Geschenk des Hausvaters, daß ihn würdig machte, an dem Abend Mahl,
an der Feier teilzunehmen. Wir kennen das heute nur noch zu Silvester,
wenn wir zur Silvesterfeier kommen, bekommt jeder zum Beispiel ein
Hütchen auf. Das ist eine späte Erinnerung an einen alten Brauch.
Gewänder spielen auch in der damaligen Welt eine große Rolle; sie sind
oft Zeichen der Ehrerbietung, oft Ehrengeschenke. Naeman, der
Feldhauptmann des Königs von Damaskus, vom Aussatz befallen, kommt zum
Propheten Elisa, sucht bei ihm Heilung. Sein Herr gibt ihm Geld und
zehn Festkleider
[7]
als Geschenk mit. Das Gewand wird zum Ausdruck des eigenen Wesens, der
Würdigkeit. Gott macht Adam und Eva, von der Sünde entstellt, Kleider[8].
Priester des Alten Bundes legen liturgische Gewänder an, wenn sie dem
Herrn dienen, das Gewand wird zum Zeichen der Würdigkeit
[9].
Der orthodoxe Priester erlebt beim Anlegen der liturgischen Gewänder,
daß es nicht seine Fähigkeit und Würde ist, die ihn zum Dienst am
Altar, zur Verkündigung des Wortes ruft, sondern Gottes Gnade, die im
Gewand zeichenhaft, spürbare Gestalt annimmt.
"reinige meine Seele und mein Herz vom bösen Gewissen und befähige
mich, den DU mit der Gnade des Priestertums bekleidet hast, durch die
Kraft Deines Heiligen Geistes, vor diesem Deinem heiligen Tisch zu
stehen und heilig zu handeln an Deinem heiligen und allreinen Leib und
Deinem kostbaren Blut" (Gebet vor dem großen Einzug, göttliche
Liturgie)
"Meine Seele freut sich im Herrn, denn ER hat mich bekleidet mit dem
Gewand des Heils und mich umhüllt mit dem Kleid der Freude..." (Gebet
beim Anlegen des Sticharon, Untergwand; Jesaja 61,10).
Jedenfalls dieser Mann hat kein schlechtes Gewand an, sondern, es war
ein eingebildeter Bursche, der sein Gewand für besser hielt, dem das
Gewand nicht gefiel, das der Hausvater ihm an der Tür anbot. Er hielt
seinen eleganten modernen Smoking für sehr viel besser, als dieses
altertümliche Gewand, das er da bekommen hatte. Deshalb ist der Herr,
berechtigter und verständlicher Weise, so zornig[10].
Und deshalb sagen immer wieder die Gebete: HERR, gib mir das
hochzeitliche Gewand, daß ich würdig werde, an DEINEM heiligen
Abendmahl teilzunehmen.
So bekennen wir in diesem Gebet immer wieder, daß wir darauf
angewiesen sind, daß der Hausvater, der HERR JESUS CHRISTUS, uns
würdig macht, uns dieses Gewand gibt, uns überkleidet[11].
"Wie soll ich Unwürdiger in den Glanz Deines Heiligtums eintreten?
Denn, wenn ich wagte, in das Brautgemach einzutreten, wird das Gewand
mir zum Vorwurf gereichen, weil es nicht hochzeitlich ist, und
gefesselt werde ich hinausgeworfen von den Engeln: Tilge o Herr, den
Makel meiner Seele und erlöse mich!" (Tropar vor dem Empfang des
heiligen Abendmahls, Seite 158/6)
Es gibt eine Dynamik, die auch in den Gebeten immer wieder vorkommt,
ich meine eine Dynamik, die durch die gesamte Heilige Schrift hindurch
geht, und die uns deutlich macht, daß wir auf einem Wege sind, der
noch nicht abgeschlossen ist, von dessen fernem Ziel wir aber etwas
ahnen.
Der Dornbusch kommt immer wieder vor, der Dornbusch, den Moses in der
Wüste sieht, der Dornbusch, der brannte und nicht verbrannte, und als
Moses herankommt, hört er eine Stimme, die Stimme GOTTES. DER sagt:
"Das ist heiliger Boden, zieh Deine Schuhe aus"
[12],
und GOTT redet aus dem Dornbusch mit Moses.
Das Problem dieses Dornbusches ist nicht so einfach zu lösen, wie das
gerne versucht wird. In der gemeinsamen Bibelübersetzung der
evangelischen und katholischen Kirche steht in der Fußnote, das war
wohl ein Elmsfeuer
[13].
Ein Elsmfeuer kommt in der Wüste nicht vor.
Andere meinen, es wäre ganz natürlich, daß in der großen Hitze der
Wüste mal ein Dornbusch anfängt zu brennen, nur dann verbrennt er eben
auch. Dieser Dornbusch ist etwas Ungewöhnliches: ist Gottes Gegenwart,
und weist auf etwas hin, was für unser alltägliches Leben eine
entscheidende Rolle spielt: Unser GOTT ist ein GOTT der Wunder tut.
Besonders an großen Feiertagen, sehr eindrucksvoll am Ostersonntag
beim Abendgottesdienst wird aus der Mitte der Kirche heraus das große
Prokimen gesungen,
Wer ist der große GOTT
wie unser GOTT
DU bist ein GOTT der Wunder tut!
Der Chor wiederholt den Vers. Auch an anderen Feiertagen steht dieses
Prokimenon, dieser kurze Vers aus dem siebenundsiebzigsten Psalm, im
Mittelpunkt der Verkündigung. Es ist etwas anderes, ob wir unseren
GOTT besingen als einen GOTT der Wunder tut, oder ob wir über die
Frage des Wunders und der Allmacht Gottes diskutieren. Unser GOTT ist
ein GOTT der Wunder tut. Eine tägliche Erfahrung. Wenn wir auch oft
nicht bemerken, wie GOTT DER HERR mit uns umgeht. Darum danken wir
auch in dem Gebet der göttlichen Liturgie GOTT für alle Wohltaten, für
alles, das ER für uns getan hat, für alles, was wir bemerkt haben, vor
allen Dingen auch, was wir nicht bemerkt haben.
GOTT ist ein großer GOTT, unser GOTT ist der GOTT, der Wunder tut.
Der brennende Dornbusch, das Blut des Passa-Lammes
[14]
ist ein Vorbild, wie Meliton von Sardes
[15],
(gestorben 180) in seiner Osterpredigt sehr deutlich gesagt hat, ein
Vorbild kommender dynamischer Wirklichkeit.
Das Mysterium des Passa - Osterpredigt, 3.Vers
"Alt nach dem Gesetz
neu nach dem Wort
augenblickshaft nach dem Vorbild
ewig nach der Gnade
vergänglich durch die Schlachtung
des Schafes
unvergänglich durch das Leben des
HERRN
sterblich, durch das Grab in der
Erde
unsterblich durch die Auferstehung
der Toten
Ganz anders und noch viel realistischer wird es in Maria, der Mutter
unseres HERRN JESUS CHRISTUS: Der alles verbrennende GOTT, das
brennende Feuer, den niemand ertragen kann, der GOTT, der sich Elia
und Moses, die in einer Höhle versteckt waren, offenbarte, wenn er
vorübergeht, weil die Propheten sein Antlitz nicht erkennen können,
wird Mensch aus Maria. GOTT ist brennendes Feuer, so daß Moses auf dem
Berge Sinai einen Schleier vor sein Gesicht tun muß, damit die
Menschen das Leuchten in seinem Angesicht ertragen können, nur
deshalb, weil er in der Ferne mit GOTT geredet hat, als er wieder vom
Berge herunterkommt
[16].
Dieser GOTT, von dem es heißt: es ist schrecklich, in die Hände des
lebendigen GOTTES zu fallen
[17],
wird in dem Leib einer Frau, der Jungfrau Maria, Mensch. ER wird
umschlossen von menschlicher Wirklichkeit, was in diesem Dornbusch als
Bild und Wirklichkeit Moses erschienen ist, wird jetzt in Maria
historische Wirklichkeit.
Aber damit noch nicht genug. Auch wir, die wir das Heilige Abendmahl
empfangen, werden vom glühenden Feuer der göttlichen Gegenwart
durchdrungen. Darum heißt es: Der, du hinzutrittst zum Empfang des
Heiligen Abendmahls, erschrecke, Feuer ist es, was die Unwürdigen
verzehrt. (Vers nach dem 12.Gebet):
"Siehe nun schreite ich zum
göttlichen Abendmahl,
mein Schöpfer, verbrenne mich nicht
durch die Vereinigung,
denn DU bist Feuer, das die
Unwürdigen versengt;
reinige mich vielmehr von jedem
Makel.
Erblickst Du das göttlich machende
Blut,
dann erschaure, o Mensch!
Denn Feuer ist es, das die
Unwürdigen verzehrt.
Gottes Leib vergöttlicht mich und
nährt den Geist
Verstand vergöttlicht ER,
nährt wunderbar den Sinn"
Verse aus dem Gebet vor der Communion, nach dem 12.Gebet (Seite 184/5)
Und deshalb sind diese ganzen verschiedenen Bilder von denen ich jetzt
eben gesprochen habe, der Dornbusch, die Mutter unseres HERRN JESUS
CHRISTUS, als historische Wirklichkeit und unser Empfang des Heiligen
Abendmahls ein dynamisches Geschehen, in dem der alles verbrennende
GOTT sich uns Menschen so naht, in SEINER Menschwerdung, daß wir mit
IHM umgehen, IHN mit unseren Händen und Lippen berühren können.
Diese seinshafte, ontologische und geschichtliche Dynamik, dieses
Wachsen auf Gott zu läßt uns in den Bildern der Offenbarung des
Johannes die Vollendung ahnen. (Nähe, Gegenwart Gottes: Der brennende
Dornbusch, die Gottesgebärerin, der Empfang des Heiligen Abendmahls.)
Die Begegnung mit Gott wird immer dichter und vollständiger. Im Essen
und Trinken des heiligen Leibes und kostbaren Blutes, unverständlich
und doch für uns vollziehbar, hat Gott in uns Wohnung, verbindet uns
der Herr gleichzeitig miteinander, die ER durch das heilige Abendmahl
mit IHM und untereinander verbunden hat.
Im neuen Jerusalem ist kein Tempel, keine Sonne; Christus ist das
schattenlose Licht der Stadt der Vollendung.
"und ich sah keinen Tempel darin;
denn der Herr, der allmächtige Gott ist Tempel und das Lamm.
Und die Stadt bedarf keiner Sonne,
noch des Mondes, daß sie ihr scheinen, denn die Herrlichkeit Gottes
erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm." Offenbarung,21,22-23
Der dreifaltige Gott offenbart sich durch die Geschichte des Alten und
des neuen Bundes im Licht, in strahlender Helle:
"Herr erhebe über uns das Licht
Deines Angesichtes" (Psalm 4,7)
"Der Herr ist mein Licht und mein
Heil, vor wem sollte ich mich fürchten?" (Psalm 27,1, Prokimen der
Taufe)
"Ja bei Dir ist die Quelle des
Lebens, in Deinem Licht schauen wir Licht" (Psalm 36,10)
"und wird Deine Gerechtigkeit
hervorbrechen, wie das Licht" (Psalm 31,6)
"Da er noch redete, siehe, da
überschattete sie eine lichte Wolke." (Matth.17.5)
Im Morgengottesdienst vor dem Gesang des großen Lobpreises ruft der
Priester mit erhobenen Händen:
"Ehre sei DIR, der DU uns Licht gezeigt hast!"
In diesen Worten und Bildern der Heiligen Schrift ahnen wir, wird
unser Verstand gedrängt über die gewohnten Denk Dimensionen
hinauszugehen:
Gott der Herr ist Tempel und Licht, wir wachsen dem Tag des Herrn
entgegen, da uns das schattenlose Licht, da uns Christus eine
unbegreiflich herrliche Gemeinschaft mit IHM, in der strahlenden Helle
des dreifaltigen Gottes, und Gemeinschaft durch IHN untereinander
gibt.
O Mensch, der Du den Leib des HERRN empfangen willst
nahe Dich voll Furcht, verbrannt zu werden
Feuer ist es !
Darum denken die Gebete natürlich auch an den Propheten, der da
Schwierigkeiten hatte das Wort GOTTES zu verkünden, weil er sagt: Ich
bin ein Mann unreiner Lippen. Auch so etwas hören wir nicht gerne,
auch wenn wir das sehr leicht mitsprechen können. Es kommt der Engel,
wieder eines dieser gehaltvollen Bilder der Heiligen Schrift, und
nimmt die glühende Kohle vom Altar Gottes und mit dieser glühenden
Kohle reinigt er die Lippen des Propheten, daß er das Wort GOTTES zu
verkünden vermag[18].
So nimmt auch uns GOTT auf, wenn wir das Heilige Abendmahl empfangen
und deshalb die Vorbereitung, die Gebete. Die Gebete, die immer wieder
gesprochen, oder gelesen werden, und die gleichzeitig unseren Verstand
immer wieder neu auffordern, den Geheimnissen des Abendmahls
nachzusinnen, nachzuspüren.
"Denn nicht unachtsam, sondern voll
Zuversicht auf Deine unaussprechliche Gnade komme ich zu DIR, mein
Gott, (Joh.20,28), damit ich nicht, auf lange Zeit fern von Deiner
Gemeinschaft, dem listigen Wolf zum Raube werde (Apostg.20,29),
Deshalb bete ich zu Dir, heilige, als der einzig Heilige Gebieter,
meine Seele und meinen Leib, meinen Verstand und mein Herz, meine
Nieren und mein Inneres und erneuere mich ganz..." (2.Gebet des
Hl.Johannes Chrysostomos vor der Communion, Seite 171)
"Wort Gottes und Gott, möge mir die
Feuerglut Deines Leibes, mir Verfinstertem, Licht spenden, und Dein
Blut meiner Seele Reinigung von jeglichem Makel bringen."
(5.Ode,2,Vers)
Wie ein Feuer und wie ein Licht
möge Dir mein Leib werden, Erlöser, und Dein kostbares Blut, das den
Sündenstoff verbrennt und das Dornengesträuch der Leidenschaften
aufzehrt, und mich ganz erleuchtet, auf daß ich Deine Gottheit anbeten
kann." (9.Ode,3.Vers)
Die Gegensätze, die Unvereinbarkeit, das Überraschende, das
Unannehmbare des Wortes GOTTES öffnet uns in der Spannung des Herzens
den Blick für eine neue, für die Wirklichkeit.
Unsere Liebe zu der Mutter des Herrn, der Immerjungfrau Maria, unsere
Gesänge, die von ihr sagen, unsere Anrufung, die ihr unerschütterliche
Hilfe zutraut, fordert immer wieder unseren Verstand heraus, der
zweifelnd und zugleich zuversichtlich fragt: sind wir auf dem Boden
der Wirklichkeit und des Glaubens, wenn wir sie preisen mit den
Worten:
Die Du geehrter bist als die Cherubim
und unvergleichlich herrlicher, als die Seraphim
die Du unversehrt GOTT das Wort geboren hast
wahrhaftige GOTTES Gebärerin
Dich preisen wir
Es gibt keinen orthodoxen Gottesdienst, und auch keinen
Hausgottesdienst, bei dem dieses Lied nicht gesungen wird.
Ja, mutet uns dieses Lied nicht auch wieder etwas zuviel zu?
Selbst, wenn wir die Mutter unseres HERRN JESUS CHRISTUS lieben und
ehren, und wenn wir uns einfach wundern, über das, was dort alles
geschieht, und was sie alles tut, und wie sie zu den Dienern in der
Hochzeit zu Kanaan sagt: Was ER euch sagt, das tut; dann wird uns doch
etwas unwohl, wenn es da heißt: die Du geehrter bist als die Cherubim
und unvergleichlich herrlicher als die Seraphim. Vielleicht glauben
wir gar nicht an die Cherubim und Seraphim, aber daß es ganz hohe
Engelgestalten sind, und daß dieses Lied ein Lobpreis eines Menschen
ist, der über alle menschlichen Maße hinausgeht, das begreift auch
der, der weder an die Jungfrauengeburt, noch an die heiligen Engel
glaubt.
In der 9.Ode singen wir:
"Der vom anfanglosen Vater gezeugte Sohn,
der Gott und Herr, DER Leib angenommen hat
aus der Jungfrau und uns erschienen ist,
um die von der Finsternis umgebenen zu erleuchten
und die Zerstreuten zu sammeln
um Seinetwillen preisen wir die allbesungene Jungfrau"
Und gerade dadurch werden wir im Beten durch unseren Verstand
aufmerksam gemacht, daß hier etwas ganz ungewöhnliches ausgesagt wird.
Die Antwort ist natürlich, letzten Endes, einfach: "Die Du geehrter
bist als die Cherubim und unvergleichlich herrlicher als die
Seraphim", dann danach sofort die Erklärung: "die du unversehrt GOTT
das Wort geboren hast. Wahrhafte GOTTES Gebärerin, Dich preisen wir."
Der Wert eines Menschen, eines Engels, eines Geschöpfes hängt nicht
davon ab, welche Kleidung er trägt, hängt nicht davon ab, welches
Einkommen er hat, hängt auch nicht von der Größe seines Verstandes
oder der Schönheit seiner Stimme ab, sondern wird allein bestimmt
durch die Nähe zu GOTT. Je näher ich bei GOTT bin, um so herrlicher
bin ich. Je näher ich bei Gott bin, um so herrlicher erfahre ich mich
selbst und die Welt um mich.
Und wer ist am nächsten bei GOTT ? So ist die Antwort für den
einfachsten Denkakt ohne weiteres zu vollziehen. Dann ist es die
Mutter des HERRN JESUS CHRISTUS. Niemand ist GOTT so nahe wie sie, in
deren Leibe, in deren Schosse CHRISTUS wächst. ER, Gott, wird von ihr
umschlossen. ER, wie das die Verse des Bußkanons des Andreas sagen,
nimmt aus ihrem purpurfarbenen Blut Gestalt an. Es ist offensichtlich:
Näher kann GOTT niemand sein. Und infolgedessen ist dieses Lied voll
und ganz "berechtigt". Aber es ist eine Anrede an uns. Ich habe
gesagt: der Verstand erschrickt vor dem Unwahrscheinlichen, nein, vor
dem Ungewöhnlichen, was sich da ereignet, und bringt uns dahin, in
eine neue Richtung zu blicken, um bei diesem Blick die eigentliche und
wahre Wirklichkeit zu erkennen. Unsere ganzen Wertsysteme werden über
Bord geworfen und uns wird gesagt, daß der eigentliche Wert für uns
ist, bei GOTT zu sein.
Nach dem Empfang des heiligen Abendmahls danken wir dem Herrn in fünf
Gebeten. Das letzte Gebet wendet sich an die Allerheiligste
Gottesmutter:
"Allerheilige Gebieterin,
Gottesmutter, du Licht meiner verfinsterten Seele, meine Hoffnung,
mein Schutz, meine Zuflucht, mein Trost, meine Freude, ich danke Dir,
daß du mich Unwürdigen gewürdigt hast, an dem allerreinsten Leib und
dem kostbaren Blut Deines Sohnes teilzuhaben.
Du aber, die du das wahre Licht
geboren hast, erleuchte die geistigen Augen meines Herzens, die du den
Quell der Unsterblichkeit geboren hast, mache mich, den von der Sünde
getöteten, lebendig..." (5.Gebet nach der Communion, Seite 190/1)
In der Panichida, bei der Feier der Grablegung, in der Liturgie
sind die Entschlafenen mit uns verbunden. Es wird erfahrbar, daß des
Todes trennende Macht zerbrochen ist.
Die Zusagen der Heiligen Schrift werden Wirklichkeit:
Psalm 118,17 : ich werde nicht
sterben, sondern leben,
und des Herrn Worte
verkünden.
Matth.22.31-32: Habt ihr aber nicht
gelesen von der Toten
Auferstehung, was
Euch gesagt ist von Gott,
der da spricht: ICH
bin der Gott Abrahams
und der Gott Isaaks
und der Gott Jakobs?
Gott ist aber nicht
ein Gott der Toten,
sondern der
Lebendigen.
Johannes 5,25: Wahrlich, ICH sage
Euch: Es kommt die Stunde
und ist schon
jetzt, daß die Toten werden
die Stimme des
Sohnes Gottes hören, und die
sie hören werden,
die werden leben."
(Evangelium bei der
Beerdigung)
Die Worte des Herrn ergreifen wir im Glauben, wenn und wo wir nach
ihnen handeln. Glaube ist der Mut, die Bereitschaft und die Zuversicht
nach dem Wort des Herrn zu handeln. So beten wir mit und für die
Entschlafenen, wie wir mit und für die noch mit uns in dieser Zeit und
Welt Lebenden beten.
Die Fürbitte ist ein Wort der Gemeinschaft, daß wir füreinander beten,
ist nicht notwendig in einem kausal irdischen Zusammenhang, ist nicht
"wirksam, als magisches Tun", sondern ist allein Ausdruck der
Gemeinschaft, zu der uns Christus ruft, der der Schlußstein des
Gewölbes der Kirche ist, deren lebendige Steine wir sind. Und zugleich
lebt in unserer Fürbitte unser Vertrauen und unsere Liebe zu Gott, DER
uns, seine Kinder und Erben, hört und unsere Bitte füreinander
liebevoll annimmt.
Für das Gebet ist der Tod keine Grenze, im Beten sind wir, die hier
Lebenden und die Entschlafenen, verbunden zu der einen großen
Gemeinschaft der nach dem Bilde Gottes geschaffenen Menschen, die in
der Kirche ihre sichtbare Gestalt findet.
Die Auferstehung ist die Gewißheit der in Liebe und Gebet erfahrenen
Gemeinschaft mit den Entschlafenen; das Gebet mit den Entschlafenen
ist das Bekenntnis und die Erfahrung der Auferstehung Christi.
Oft werden wir gefragt: Wo ist Christus, der Auferstandene? Auch
fragen wir uns selbst: ist die Auferstehung wahrhaft die Erneuerung
und Wandlung der Welt? Im Gebet mit und für die Entschlafenen werden
wir der Kraft und des Lichtes der Auferstehung Christi inne, geprüft
von unserem Verstand und weit über alles hinaus, was uns der Verstand
an Gewißheit geben kann.
Im Augenblick, wo wir aus der Auferstehung des HERRN JESUS CHRISTUS
handeln, und Beten ist Handeln, bekennen wir wirklich, und erfahren
wir wirklich, daß der HERR auferstanden ist von den Toten und keiner
mehr im Grabe ist. Es heißt: als ER gekreuzigt wurde, taten sich viele
Gräber auf, und die Toten erschienen vielen in Jerusalem[19].
Die bekannteste Ikone von der Auferstehung Christi ist ein Bild von
der Höllenfahrt oder besser des Hinabsteigens des Herrn in das Reich
des Todes am Karsamstag, zwischen Karsamstag und Ostermorgen.
"Denn deshalb wurde auch den Toten des Evangelium verkündet, damit sie
zwar Gericht erfahren als Menschen, dem Fleische nach, aber lebendig
seien Im Hinblick auf Gott dem Geiste nach."[20]
"Im Geiste ging auch er hin zu den Geistern im Gefängnis und predigte
ihnen"[21]
Die Ikone zeigt die zerbrochenen Tore der Totenwelt, des Hades, der
Scheol. Christus steht auf den kreuzförmig übereinandergestürzten
Torflügeln in einem strahlenden Licht, der Mandorla. Die Toten kommen
von beiden Seiten, Johannes der Täufer führt sie zu Christus, wie er
die Lebenden zur Umkehr gerufen hat. Christus streckt seine Hände aus
und ergreift Adam und Eva, ER zieht sie aus der Welt und der Macht des
Todes und ungezählte folgen ihnen und gehen auf Christus zu. Jeder
entscheidet sich angesichts des Herrn, DER zu den Toten kommt - die
Ikone zeigt, wie alle sich für Christus entscheiden, wie alle auf dem
Weg zu IHM sind, DER das Leben ist und ihnen allen die Quelle des
Lebens wird.
Mit der Auferstehung, mit dem Kreuzestod und der Auferstehung des
HERRN JESUS CHRISTUS hat der Tod keine Macht mehr. Und diese Tatsache,
daß er keine Macht mehr hat, die bestätigen wir, die erleben wir, die
erfahren wir, wenn und wo wir mit und für die Entschlafenen beten.
Die Engel, sagt Athanasius von Alexandrien, die Engel können schwer
zwischen lebendigen und toten Menschen unterscheiden. Was die Engel am
Menschen wahrnehmen, ist, daß er nach dem Bilde Gottes geschaffen ist,
ob er nun lebt, oder entschlafen ist, ist für die Engel unwichtig. Das
ist etwas, das wir im Gebet wie die Engel erfahren; da wir für die
Entschlafenen beten, sie so anreden, und mit ihnen so verbunden sind,
wie mit denen, die noch auf dieser Erde leben und im Augenblick für
uns vielleicht auch nicht sichtbar sind. Darum ist dieses Gebet von so
großer Bedeutung, und verändert im Grunde genommen das Verhältnis zu
unserem eigenen Tod, und zu den Entschlafenen. Die vielgestaltigen
Bildvorstellungen der Menschheit über das Sein nach dem Tode spielen
für mich keine Rolle mehr, wenn meine Gemeinschaft mit den
Entschlafenen eine Gemeinschaft der Liebe und des Gebetes ist, wenn
ich im Gebet mit ihnen verbunden bin.
Es sind lange und viele Gebete, ich werde nur ganz wenig vorlesen:
Gepriesen bist Du, o HERR
Lehre mich DEINE Weisungen
Ich bin das Bild DEINER unaussprechlichen Herrlichkeit
ob ich gleich die Wunden der Verfehlungen trage
Habe Erbarmen mit DEINEM Geschöpf GEBIETER
reinige es nach DEINER Herzensgüte
Schenke die ersehnte Heimat und mache mich
wieder zum Bewohner des Paradieses
In vielen dieser Gesänge der Panichida, dieses Gebetes, redet der
Entschlafene zu uns. Er ist unmittelbar bei uns. Er verkündet uns den
Glauben. Er wendet sich an uns. Auch in anderen Texten, wo er von der
Schrecklichkeit des Todes spricht:
Gestern noch wandelte ich mit Euch
gestern noch sprachen wir miteinander
gestern noch hielten wir uns bei der Hand
das ist alles vorbei, aber nun erzählt er von dem, was sich dort
ereignet:
Der Chor der Heiligen fand die Quelle des Lebens
und die Tür des Paradieses
o daß auch ich den Weg finden möge
durch Buße
ich bin das verlorene Schaf
rufe mich HEILAND zurück
und errette mich
Wie auch in allen westlichen Kirchenliedern sind die Gesänge und
Gebete der Kirche nichts anderes, als die ständig neu zitierte Heilige
Schrift:
"Der Chor der Heiligen fand die Quelle des Lebens."
Die Heiligen sind nicht besondere Leute, sondern heilig sind wir alle,
die wir getauft sind. "Das Heilige den Heiligen" heißt es bei der
Austeilung des Heiligen Abendmahles. Die Quelle des Lebens[22]
und die Tür des Paradieses, ist CHRISTUS. O daß auch ich den Weg
finden möge durch Buße, durch metanoia[23],
durch Umkehr. Und so ist dieses gemeinsame Gebet mit den Entschlafenen
in der ausgeprägten Form der vielgestaltigen Gebete, der
vielgestaltigen Gesänge dieses Gottesdienstes eine Erfahrung unserer
Gemeinschaft mit denen, die von uns gegangen sind, eine Erfahrung, die
durch das Denken getragen ist, in dem das Denken eine Welt öffnet, in
die unser Herz eintritt und wir mit den Entschlafenen verbunden sind.
So schließt das wieder zusammen, was ich zu Anfang gesagt habe: Der
HERR hilft uns durch unser Denken, gerade vor dem Unwahrscheinlichen,
vor dem Überraschenden, vor den unser alltägliches Leben
überschreitenden Wirklichkeiten des Glaubens, der Begegnung mit den
Entschlafenen, mit dem HERRN und mit der Mutter unseres HERRN JESUS
CHRISTUS, aufmerksam zu sein für Gottes Gegenwart.
Das bedeutet nicht eine neue Welt zu erfahren, sondern endlich der
Welt so inne zu werden, wie sie tatsächlich ist. Und die Maßstäbe auch
unseres alltäglichen Lebens von dieser Wirklichkeit her zu nehmen, wie
es in einem der Gebete heißt, die Perle zu suchen:
"Und abermals ist gleich das
Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte. Und da er eine
köstliche Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte
und kaufte sie."
[24]
In der Panichida: Ich bin das Bild von Deiner unaussprechlichen
Herrlichkeit, ob ich gleich die Wunden der Verfehlungen trage: Habe
Erbarmen mit Deinem Geschöpf, o Gebieter, und reinige es nach Deiner
Herzensgüte. Schenke die ersehnte Heimat und mache mich wieder zum
Bewohner des Paradieses.
6.Lied: Das Meer des Lebens sah ich aufgewühlt vom Sturm der Gefahren.
Zu Deinem stillen Hafen bin ich gelangt und rufe zu DIR: Führe mein
Leben aus der Vergänglichkeit, DU Allgütiger.
Metanoia, Hin-Wendung zu Gott, ist die Ahnung und der Weg zum
Paradies. Je mehr wir im Beten und Denken uns selbst und unser ganzes
Leben und einander in der Gemeinschaft mit den Entschlafenen Christo,
unserem Gott befehlen und hingeben, um so mehr gewinnen wir die Perle,
die von keiner Vergänglichkeit bedroht ist, das Leben mit und in
Christo, das hier und jetzt im Gebet mit den Entschlafenen, wie im
Empfang des heiligen Abendmahls Wirklichkeit, erlebte Wahrheit wird.
[1]Orthodoxes
Gebetbuch, München, ISBN 3-926 165 10 1 Seite 153-191
[5]Matth.13,45
; Matth.19,29 ; Joh.21,22
[13]Einheitsübersetzung
1980, Seite 63
[15]Meliton
von Sardes, Vom Passa, die älteste Osterpredigt, 1963 Sophia,
Bd.3, Lambertus Verlag
[16]1.Kor.19,13;
2.Mos.34,6; 2.Mos.34,33
[17]Hebr.10,31;
2.Mos.15,11; 1.Tim.6,16;
[22]Psalm
36,10; Off.22,17 ; Joh.7,38
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