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Pascha – Ostern (P. Nikolai Wolper)
Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!
1.Einführung. 2.Osterkanon (Auszug) 3.Tabelle: Osterfestkreis II
Nach der Übertragung des Grabtuches (Plaschtschaniza) auf den Altartisch, wo es vierzig Tage liegen wird, verlassen alle die dunkel gebliebene Kirche mit ihren vom Priester entzündeten Kerzen und besingen in der Prozession um die Kirche herum die Auferstehung des Herrn. Erst wenn mit dem Kreuz die Türen geöffnet wurden, ziehen die Gläubigen jubelnd in die hell erleuchtete Kirche ein und feiern die Osternacht. Die Türen der Ikonostase bleiben die ganze Woche hindurch weit offen, denn wir stehen im Neuen Jerusalem, das nur noch vom Licht des Osterlammes erstrahlt, ohne Tempel und Vorhang vor dem Allerheiligsten.
Die Auferstehung ist ein Geheimnis, das sich jeder bildlichen Darstellung verschließt. Aber die Bedeutung dieses unfassbaren Geschehens für die dem Tod verfallene Menschheit, ja die ganze Schöpfung, wird in der Oster-Ikone vergegenwärtigt. Der in das Reich des Todes Hinabgestiegene und Auferstandene steht auf den zerbrochenen Toren des Hades und zieht die Menschen, vertreten durch Adam und Eva, aus den Gräbern empor. (vgl. Mt 27,51-53) Zeugen sind die Heiligen des Alten Bundes: Propheten, Könige und der Vorläufer und Täufer des Herrn, Johannes.
Gott wurde Mensch, damit die Menschen „vergöttlicht“ werden, d.h., teilhaben können an der Liebesgemeinschaft der drei Göttlichen Personen, sagen die hl. Väter.
Das ursprüngliche Fest von Nomaden, bei dem Hirten die Erstgeburt ihrer Herde opferten, und das Fest der ungesäuerten Brote mit dem Erstlingsopfer von Ackerbauern waren im Alten Bund zur Gedächtnisfeier des Auszugs aus der Herrschaft Ägyptens verknüpft worden. Seither feiern die Juden „die Geburt des Volkes Israel“ (de Vries) als Pessach („Hinübergang“), die Befreiung durch Gottes Heilsmacht – zunächst als Sippenfest in der Hausgemeinde, seit Josia (621 v. Chr.) als Wallfahrt zum Tempel in Jerusalem und nach dessen Zerstörung durch die Römer (70 n. Chr.) und der weltweiten Zerstreuung wieder als häusliche Feier. (Ex 12) Die ungesäuerten Brote (Mazzen) erinnern an den fluchtartigen Aufbruch in die Freiheit, der zum Säuern des Teiges keine Zeit ließ.
Zur Zeit des Tempels – auch Jesu – wurde vor dessen Toren am Pessach-Fest von jeder Familie ein Lamm geopfert und so die Rettungstat Gottes gefeiert. Die Christen haben von Anfang an den Mensch gewordenen Gottessohn als das endgültige Passah-Lamm verherrlicht (1 Kor 5,7) und so Ostern eine neue Bedeutung gegeben: Gott und Menschen gehen nun endgültig durch den Tod, das dunkle Chaos, zum Leben hindurch. Das Sakrament dieser Neuschöpfung der erlösten Menschheit ist die hl. Taufe, an die in der Osterfeier immer wieder erinnert wird. (Ostern ist der frühchristliche Tauf-Termin.) So singen wir in der Göttlichen Liturgie von Ostern nach dem Kleinen Einzug statt des Trishagion den Taufgesang: „Alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. Alleluja.“ (Gal 3,27)
Weil Ostern die Erfüllung des Pessach-Festes ist, vergegenwärtigt die Kirche zuvor in den vielen Lesungen der Vesper-Liturgie des Karsamstags denselben großen Bogen des Heilshandelns Gottes wie in den jüdischen Pessach-Feier: So wie Gott aus den Chaoswassern die Welt geschaffen hat (1. Lesung: Gen 1,1-13), schafft Er durch die Befreiung aus Ägypten das Volk Israel: Das Blut der Opfertiere an den Pfosten der Häuser schützt die Israeliten vor dem Todesengel (Ex 121-11; 3. Lesung), und beim Durchzug durch das auf wunderbare Weise trockene Rote Meer kommen die Verfolger des Pharaos in den zurückfallenden Fluten um (Ex 13,20 – 15,19; 6. Lesung). Und das Neue Jerusalem am Ende der Zeiten, prophezeit von Jesaja (9. Lesung: Jes 61,10 – 62,5), beginnt in der Kirche (Apk 22), die aus der Auferstehung Christi erwächst, wie der Osterkanon jubelt:
2. Osterkanon (Auszug)
1. Ode: Auferstehungstag! Lasst uns licht werden, ihr Völker! Das Pascha, des Herrn Pascha! Denn vom Tode zum Leben und von der Erde zum Himmel hat Christus, unser Gott, uns hindurchgeführt, die wir das Siegeslied singen.
3.Ode: Nun ist alles mit Licht erfüllt, Himmel und Erde und Totenwelt; die ganze Schöpfung feiert Christi Erwachen, in dem sie gegründet ist.
Gestern war ich begraben mit Dir, Christus; heute bin ich auferweckt mit Dir, dem Auferstandenen. Du selbst, Erlöser, verherrliche mich mit Dir in Deinem Reich.
9. Ode: Werde Licht, werde Licht, Neues Jerusalem, denn die Herrlichkeit des Herrn ist aufgegangen über dir. Jauchze jetzt und frohlocke, o Sion! Du aber, reine Gottesgebärerin, freue dich über die Auferstehung deines Kindes!
O großes, o heiligstes Pascha, Christus, o Weisheit und Wort Gottes und Kraft! Gib, dass wir wahrer noch teilhaben an Dir am abendlosen Tag Deines Reiches!
Literatur: Welt und Umwelt der Bibel 2/2006 Der Text der Osternacht-Feier ist deutsch verfügbar in der Übersetzung von Erzpriester Dimitrij Ignatiev (München 1992)
3. Tabelle:
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