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Die Hochfeste der Geburt und der Taufe Christi bilden eine Einheit und
wurden in den ersten drei Jahrhunderten auch zusammen gefeiert (am 6.
Januar).Bis heute sind sie ganz ähnlich gestaltet mit den
ausführlichen Gottesdiensten am Vortag („Königliche Stunden“; Vesper
mit Basilius-Liturgie; Nachtwache mit Großer Komplet und Morgenamt).
Als Ausdruck der Heiligung der Welt durch die Erscheinung Christi in
Seiner Schöpfung wird am 6.1. (19.1.) die Große Wasserweihe mit vielen
Lesungen aus dem Alten Testament vollzogen (eigentlich an Flüssen, wie
die griechische Gemeinde es traditionell im Hamburger Hafen tut.) Das
eigentliche Weihegebet wird auch bei der hl. Taufe über
dem Taufwasser gesprochen. Es ist eigentlich ein Lobpreis des
Schöpfers. Der zentrale Abschnitt daraus:
„Groß bist Du, Herr, und wunderbar sind deine Werke, und kein
Wort reicht hin, Deine Wunder zu besingen. (3x) (...)
Denn Du bist der unbeschreibliche, anfanglose und
unaussprechliche Gott, Du, Der Du auf die Erde kamst, Knechtsgestalt
annahmst und den Menschen gleich wurdest. Denn nicht ertrugest Du,
Gebieter, ob der Tiefe Deines Erbarmens, zu sehen, wie das Geschlecht
der Menschen vom Teufel geknechtet wurde, sondern Du kamst und
erlöstest uns.
Wir bekennen die Gnade; wir verkünden das Erbarmen; wir
verhehlen nicht die Wohltat. Die Nachkommenschaft unserer Natur hast
Du befreit, den jungfräulichen Schoß durch Deine Geburt geheiligt. Die
ganze Schöpfung preist Dich, Der Du erschienen bist. Denn Du, unser
Gott, offenbartest Dich auf Erden und verkehrtest mit den Menschen. Du
hast auch des Jordans Fluten geheiligt, da Du vom Himmel herabsandtest
auf sie Deinen Allheiligen Geist, und hast die Häupter der Drachen,
die sich dort eingenistet hatten, zermalmt.
Du Selbst also, menschenliebender König, komm auch jetzt durch
das Überkommen Deines Heiligen Geistes und heilige dieses Wasser!
(3x)“ (...) (Übers. S.Heitz)
P. Nikolai Wolper
Predigt
Lübeck 22.1.2006
31. Sonntag nach Pfingsten: „Christus ist im Jordan
erschienen, um die Wasser zu
heiligen.“
Sonntag nach
Theophanien
Liebe Brüder und Schwestern,
der Herr hatte dreißig Jahre lang im Verborgenen unauffällig im Hause
des hl. Joseph gelebt und wohl als Zimmermann zum Unterhalt der
Familie beigetragen, als Er sich wie viele bußfertige Menschen vom hl.
Vorläufer taufen lassen wollte. Der hl. Johannes versuchte deswegen
mit Jesus zu diskutieren, weil er den Sinn dieses Wunsches nicht
einsehen konnte. Doch der Herr belehrte ihn, dass nur so die göttliche
Heilsordnung erfüllt werden könne. (Mt 3,14f.) Gerade die
Selbsterniedrigung aus Liebe zu den sündigen Menschen war ja Seine
Mission.
Dieses große Ereignis der Menschheitsgeschichte war seit Beginn der
Schöpfung vorbereitet worden, woran wir in den langen Gottesdiensten
dieses Festes erinnert werden.
Als die Menschen sich von Gott abgewandt hatten und die Welt deshalb
in der großen Sintflut unterzugehen drohte, wurde Noah
mit seiner Familie gerettet und als Zeichen des Neubeginns erschien
eine Taube mit einem Ölzweig im Schnabel um das Sinken des
Wassers und das Auftauchen des Landes mitzuteilen. (Gen 8)
Dieses Zeichen der Barmherzigkeit Gottes war nur die Vorabbildung der
Offenbarung des Hl. Geistes während der Taufe des Herrn, die Jesus
als den Sohn Gottes beglaubigte. „Dort ein Ölzweig, hier die Gnade
Gottes.“ (annes von Damaskus; Ousp.) In Gestalt der Taube
erschien der Hl. Geist , begleitet von der Stimme des Vaters,
Der den Sohn verherrlichte. So wie mit Noah das Menschengeschlecht
einen Neubeginn unter der Obhut Gottes machen durfte, so erschien nun
als der geistige Noah Christus Selbst, der sich in der hl.
Gottesgebärerin die Arche der Kirche als Seinen Leib erbaute. So haben
es uns die Kirchenväter erklärt.
Als der Syrer Naeman von einer schweren Hautkrankheit befallen
war, wurde er zum Propheten Elisäus geschickt, der ihm gebot, sich
siebenmal im Jordan zu waschen. Er konnte nicht einsehen, warum
es unbedingt dieses Wasser sein musste; schließlich gab es auch in
seiner Heimat Flüsse und Seen, in denen er hätte baden können. Aber
als er dann doch dem Rat des Elisäus folgte und siebenmal im Jordan
untertauchte, wurde er gesund und erfuhr so – als Heide! – die
heilende Kraft des lebendigen Gottes im Zeichen des Wassers. (2 Kön
5)
„Ihr werdet Wasser schöpfen in Freude aus den Quellen des Heils. An
jenem Tag werdet ihr sagen: Danket dem Herrn, ruft laut Seinen Namen,
macht bekannt Seine Großtaten unter den Völkern, verkündet, dass Sein
Name erhaben ist.“ Das rief der Prophet Jesaja dem Volk in der
Verbannung zu (Jes 12,3f.), und mit der Menschwerdung des
Gottessohnes hat diese verheißene Zeit des Heils begonnen. Gewiss, wir
werden weiterhin bedroht und manchmal auch geschlagen von den Gewalten
der Natur und der Menschen. Und doch haben die Kräfte des Bösen ihre
vernichtende Macht verloren. Unsere Ikone (nicht das Fresko) drückt
das aus in der Gestalt des dämonischen Flussgottes im Jordan, der
zurückweicht vor der Kraft des wahren Gottes, wie es der Dankpsalm zum
Auszug aus Ägypten triumphierend besingt (Ps 113).
Als „Bad der Wiedergeburt und der Erneuerung im Hl. Geist“
macht der Apostel allen die Rettung suchenden Menschen die hl. Taufe
zur Pflicht (Tit 3,5), nachdem Christus Selbst dieses Mysterium
eingesetzt hat durch die Heiligung des Wassers in Seiner eigenen
Taufe.
Die hl. Taufe vermittelt uns die Teilhabe am göttlichen Leben
und die Heimkehr ins Paradies, aus dem die Schöpfung vertrieben wurde.
Seit der Theophanie des Herrn im Jordan ist uns der rettende Gott als
Gemeinschaft der Hl. Dreieinigkeit erschienen, und deshalb werden wir
getauft „im Namen des Vaters“ als Ursprung von allem,
„des Sohnes“ als Schöpfer der Welt und „des Hl. Geistes“,
Der den Kosmos vollendet und in der Kirche wirkt bis zur Wiederkehr
des Herrn.
Aber vergessen wir nicht, was Christus Selbst den Jüngern und uns
allen gesagt hat, als Er Seinen schrecklichen Kreuzestod als
Seine eigentliche Taufe bezeichnet hat (Lk 12,5O): Das
Christentum ist keine „Wohlfühl-Religion“, worauf manche es heute
gern verengen möchten! “ Wisst ihr nicht, dass wir alle, die wir
auf Christus Jesus getauft wurden, auf Seinen Tod getauft worden sind?
Wir wurden mit Ihm begraben durch die Taufe auf den Tod, und wie
Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt
wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben.“ (Röm 6,3f.; vgl.
Kol 2,12)
In jeder hl. Taufe hören wir diese Mahnung des Apostels Paulus. Das
müssen wir allen Taufbewerbern und Paten eindringlich erklären. In den
Anfängen wurden die erwachsenen Täuflinge manchmal so lange
untergetaucht, dass sie tatsächlich in Todesangst gerieten; und im
erschrockenen Schreien der Kinder während der Taufe klingt noch etwas
vom tiefen Ernst dieses Geschehens mit.
Zeichenhaft deutlich wird er uns, wenn wir miterleben, wie bei der
Weihe des Wassers vor der Taufe und auch am heutigen Tag zum
Gedächtnis der Erscheinung des Dreieinen Gottes im Jordan der Priester
nicht nur das Kreuz in das Wasser eintaucht, sondern es mit
ihm auch dreimal kreuzweise „durchschneidet“, nachdem er den Hl.
Geist herab gerufen hat. „Christus ist im Jordan erschienen, um
die Wasser zu heiligen“, singen wir am Vortag des Festes (Tropar).
Aber gemeint ist die ganze Schöpfung, weshalb wir die uns lieben
Dinge, unsere Wohnung und auch die Tiere mit dem geweihten Wasser
besprengen, um sie dankbar den Händen Gottes, aus denen wir sie
empfangen haben , anzuvertrauen. So können sie durchdrungen werden vom
Licht und von der Gnade Gottes, die uns nicht nur aus dem Antlitz der
Heiligen und ihrer Ikonen entgegenstrahlen, sondern die zu bezeugen
wir alle berufen sind durch die Teilhabe an der Menschwerdung des
Gottessohnes. In der Apostel-Lesung am heutigen Sonntag nach
Theophanien haben wir es eindringlich gehört:
„So sollen wir alle zur Einheit im Glauben und in der
Erkenntnis des Sohnes
Gottes gelangen,
damit wir zum vollkommenen Menschen werden und Christus
in Seiner
vollendeten Gestalt darstellen.“ (Eph 4,13)
Amen.
Literatur:
L.Heiser: Jesus Christus.
Das Licht aus der Höhe;
St.Ottilien 1998, S.166-184
L.Ouspensky/W.Lossky: Der Sinn der
Ikonen. Bern und Olten 1952, S.167f.
Das Synaxarion. Die Leben der Heiligen
der Orthodoxen Kirche, Bd.1; Kreta 2004, S.562-565
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