Hochfest der Taufe des Herrn (Theophanien): 6. / 19.1.

 

Tropar (1. Ton):

 

Als Du, Herr, im Jordan getauft wurdest,

ward offenbar die Anbetung der Dreiheit.

Denn des Erzeugers Stimme

gab Dir das Zeugnis,

da Er Dich nannte den geliebten Sohn.

Und der Geist in Gestalt der Taube

verkündete des Wortes Untrüglichkeit.

Der Du erschienen bist, Christus Gott,

und die Welt erleuchtest, Ehre sei Dir.

 

Kondak (4. Ton):

 

Du erscheinst heute dem Erdkreis

und bezeichnest uns

mit dem Licht Deines Angesichts, o Herr,

uns, die wir Dir lobsingen in der Erkenntnis:

Du kommst, Du erscheinst,

unnahbares Licht.

 

Die Hochfeste der Geburt und der Taufe Christi bilden eine Einheit und wurden in den ersten drei Jahrhunderten auch zusammen gefeiert (am 6. Januar).Bis heute sind sie ganz ähnlich gestaltet mit den ausführlichen Gottesdiensten am Vortag („Königliche Stunden“; Vesper mit Basilius-Liturgie; Nachtwache mit Großer Komplet und Morgenamt).

Als Ausdruck der Heiligung der Welt durch die Erscheinung Christi in Seiner Schöpfung wird am 6.1. (19.1.) die Große Wasserweihe mit vielen Lesungen aus dem Alten Testament vollzogen (eigentlich an Flüssen, wie die griechische Gemeinde es traditionell im Hamburger Hafen tut.) Das eigentliche Weihegebet wird auch bei der hl. Taufe über dem Taufwasser gesprochen. Es ist eigentlich ein Lobpreis des Schöpfers. Der zentrale Abschnitt daraus:

 

„Groß bist Du, Herr, und wunderbar sind deine Werke, und kein Wort reicht hin, Deine Wunder zu besingen. (3x) (...)

Denn Du bist der unbeschreibliche, anfanglose und unaussprechliche Gott, Du, Der Du auf die Erde kamst, Knechtsgestalt annahmst und den Menschen gleich wurdest. Denn nicht ertrugest Du, Gebieter, ob der Tiefe Deines Erbarmens, zu sehen, wie das Geschlecht der Menschen vom Teufel geknechtet wurde, sondern Du kamst und erlöstest uns.

Wir bekennen die Gnade; wir verkünden das Erbarmen; wir verhehlen nicht die Wohltat. Die Nachkommenschaft unserer Natur hast Du befreit, den jungfräulichen Schoß durch Deine Geburt geheiligt. Die ganze Schöpfung preist Dich, Der Du erschienen bist. Denn Du, unser Gott, offenbartest Dich auf Erden und verkehrtest mit den Menschen. Du hast auch des Jordans Fluten geheiligt, da Du vom Himmel herabsandtest auf sie Deinen Allheiligen Geist, und hast die Häupter der Drachen, die sich dort eingenistet hatten, zermalmt.

Du Selbst also, menschenliebender König, komm auch jetzt durch das Überkommen Deines Heiligen Geistes und heilige dieses Wasser! (3x)“ (...) (Übers. S.Heitz)

 

 

 

P. Nikolai Wolper                                 Predigt                                   Lübeck 22.1.2006

 

  31. Sonntag nach Pfingsten: „Christus  ist  im Jordan erschienen, um die Wasser zu

                                                                                                                    heiligen.“

 

                                              Sonntag nach Theophanien    

 

Liebe Brüder und Schwestern,

 

der Herr hatte dreißig Jahre lang  im Verborgenen unauffällig im Hause des hl. Joseph gelebt  und wohl als Zimmermann zum Unterhalt der Familie beigetragen, als Er sich wie viele bußfertige Menschen vom hl. Vorläufer taufen lassen wollte. Der hl. Johannes versuchte deswegen mit Jesus zu diskutieren, weil er den Sinn dieses Wunsches nicht einsehen konnte. Doch der Herr belehrte ihn, dass nur so die göttliche Heilsordnung erfüllt werden könne. (Mt 3,14f.) Gerade die Selbsterniedrigung aus Liebe zu den sündigen Menschen war ja Seine Mission.

 

Dieses große Ereignis der Menschheitsgeschichte war seit Beginn der Schöpfung vorbereitet worden, woran wir in den langen Gottesdiensten dieses Festes erinnert werden.

Als die Menschen sich von Gott abgewandt hatten und die Welt deshalb in der großen Sintflut unterzugehen drohte, wurde Noah mit seiner Familie gerettet und  als Zeichen des Neubeginns erschien eine Taube mit einem Ölzweig im Schnabel um das Sinken des Wassers und das Auftauchen des Landes mitzuteilen. (Gen 8) Dieses Zeichen der Barmherzigkeit Gottes war nur die Vorabbildung der Offenbarung  des Hl. Geistes während der Taufe des Herrn, die Jesus als den Sohn Gottes beglaubigte. „Dort ein Ölzweig, hier die Gnade Gottes.“ (annes von Damaskus;  Ousp.)  In Gestalt der Taube erschien der Hl. Geist , begleitet von der Stimme des Vaters, Der den  Sohn verherrlichte. So wie mit Noah das Menschengeschlecht einen Neubeginn unter der Obhut Gottes machen durfte, so erschien nun als der geistige Noah Christus Selbst, der sich in der hl. Gottesgebärerin die Arche der Kirche als Seinen Leib erbaute. So haben es  uns die Kirchenväter erklärt.  

Als der Syrer Naeman  von einer schweren Hautkrankheit befallen war, wurde er zum Propheten Elisäus geschickt, der ihm gebot, sich siebenmal im Jordan zu waschen. Er konnte nicht einsehen, warum es unbedingt dieses Wasser sein musste; schließlich gab es auch in seiner Heimat Flüsse und Seen, in denen er hätte baden können. Aber als er dann doch dem Rat des Elisäus folgte und siebenmal im Jordan untertauchte, wurde er gesund und erfuhr so – als Heide! – die heilende Kraft des lebendigen Gottes im Zeichen des Wassers. (2 Kön 5)

„Ihr werdet Wasser schöpfen in Freude aus den Quellen des Heils. An jenem Tag werdet ihr sagen: Danket dem Herrn, ruft laut Seinen Namen, macht bekannt Seine Großtaten unter den Völkern, verkündet, dass Sein Name erhaben ist.“  Das rief der Prophet Jesaja dem Volk in der Verbannung zu (Jes 12,3f.), und mit der Menschwerdung des Gottessohnes hat diese verheißene Zeit des Heils begonnen. Gewiss, wir werden weiterhin bedroht und manchmal auch geschlagen von den Gewalten der Natur und der Menschen. Und doch haben die Kräfte des Bösen ihre vernichtende Macht verloren. Unsere Ikone (nicht das Fresko) drückt das aus in der Gestalt des dämonischen Flussgottes im Jordan, der zurückweicht vor der Kraft des wahren Gottes, wie es der Dankpsalm zum Auszug aus Ägypten triumphierend besingt (Ps 113).

Als „Bad der Wiedergeburt und der Erneuerung im Hl. Geist“  macht der Apostel allen die Rettung suchenden Menschen die hl. Taufe zur Pflicht (Tit 3,5), nachdem Christus Selbst dieses Mysterium eingesetzt hat durch die Heiligung des Wassers in Seiner eigenen Taufe.

Die hl. Taufe vermittelt uns die Teilhabe am göttlichen Leben und die Heimkehr ins Paradies, aus dem die Schöpfung vertrieben wurde. Seit der Theophanie des Herrn im Jordan  ist uns der rettende Gott als Gemeinschaft der Hl. Dreieinigkeit erschienen, und deshalb werden wir getauft „im Namen des Vaters“ als Ursprung von allem, „des Sohnes“ als Schöpfer der Welt und „des Hl. Geistes“, Der den Kosmos vollendet und in der Kirche wirkt bis zur Wiederkehr des Herrn.

Aber vergessen wir nicht, was Christus Selbst den Jüngern und uns allen gesagt hat, als Er Seinen schrecklichen Kreuzestod als Seine eigentliche Taufe bezeichnet hat (Lk 12,5O): Das Christentum ist keine „Wohlfühl-Religion“, worauf  manche es heute gern  verengen möchten! “ Wisst ihr nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf Seinen Tod getauft worden sind? Wir wurden mit Ihm begraben durch die Taufe auf den Tod, und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben.“ (Röm 6,3f.; vgl. Kol 2,12)

In jeder hl. Taufe hören wir diese Mahnung des Apostels Paulus. Das müssen wir allen Taufbewerbern und Paten eindringlich erklären. In den Anfängen wurden die erwachsenen Täuflinge manchmal so lange untergetaucht, dass sie tatsächlich in Todesangst gerieten; und im erschrockenen Schreien der Kinder während der Taufe klingt noch etwas vom tiefen Ernst dieses Geschehens mit.

Zeichenhaft deutlich wird er uns, wenn wir miterleben, wie bei der Weihe des Wassers vor der Taufe und auch am heutigen Tag zum Gedächtnis der Erscheinung des Dreieinen Gottes im Jordan der Priester nicht nur das Kreuz in das Wasser eintaucht, sondern es mit ihm  auch dreimal kreuzweise „durchschneidet“, nachdem er den Hl. Geist herab gerufen hat. „Christus ist im  Jordan erschienen, um die Wasser zu heiligen“, singen wir am Vortag des Festes (Tropar). Aber gemeint ist die ganze Schöpfung, weshalb wir die uns lieben Dinge, unsere Wohnung und auch die Tiere mit dem geweihten Wasser besprengen, um sie dankbar den Händen Gottes, aus denen wir sie empfangen haben , anzuvertrauen. So können sie durchdrungen werden vom Licht und von der Gnade Gottes, die uns nicht nur aus dem Antlitz der Heiligen und ihrer Ikonen entgegenstrahlen, sondern  die zu bezeugen wir alle berufen sind durch die Teilhabe an der Menschwerdung des Gottessohnes. In der Apostel-Lesung am heutigen Sonntag nach Theophanien haben wir es eindringlich gehört:

 

         „So sollen wir alle zur Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes

         Gottes gelangen, damit wir zum vollkommenen Menschen werden und Christus

          in Seiner vollendeten Gestalt darstellen.“  (Eph 4,13)

                                                                                                                                     

                                                                                                              Amen.

 

Literatur:

L.Heiser: Jesus Christus. Das Licht aus der Höhe; St.Ottilien 1998, S.166-184

L.Ouspensky/W.Lossky: Der Sinn der Ikonen. Bern und Olten 1952, S.167f.

Das Synaxarion. Die Leben der Heiligen der Orthodoxen Kirche, Bd.1; Kreta 2004, S.562-565